Über Abschiede ohne Schuldfrage

 

In Veränderungen möchten wir oft verstehen und erklären können. Gerade Abschiede sollen nachvollziehbar sein. Am besten gibt es einen klaren Grund: einen Konflikt, zu viel Belastung oder etwas, das offensichtlich nicht mehr funktioniert. Das macht Entscheidungen einfacher — zumindest nach außen.

Doch nicht jede Phase endet, weil etwas falsch geworden ist.

Wenn äußerlich noch alles funktioniert

In meiner Coachingpraxis begegnen mir immer wieder Menschen, die sagen: „Eigentlich läuft doch alles.“ Die Aufgaben funktionieren, Verantwortung wird getragen und nach außen wirkt vieles stabil.

Und trotzdem verändert sich innerlich etwas.

Nicht plötzlich.
Nicht als große Entscheidung.
Eher langsam.

Menschen merken irgendwann, dass sie sich mit dem, was sie tun, nicht mehr ganz so verbunden fühlen wie früher. Dass etwas, das lange gepasst hat, innerlich nicht mehr dieselbe Bedeutung hat.

Wenn Veränderung keinen klaren Grund hat

Gerade verantwortungsvolle Menschen tun sich damit oft schwer. Denn wenn nichts eindeutig problematisch ist, entsteht schnell das Gefühl, keinen wirklichen Grund für Veränderung zu haben.

Dann kommen Gedanken wie:

„Eigentlich müsste ich doch zufrieden sein.“
„Warum beschäftigt mich das überhaupt?“
„Es gibt doch keinen echten Anlass.“

Viele glauben, Abschiede begründen zu müssen. Als dürfte etwas erst enden, wenn vorher etwas kaputtgegangen ist.

Viele Übergänge beginnen leise

Doch viele Übergänge beginnen viel leiser.

Nicht mit einer Krise. Sondern mit dem Gefühl, dass etwas innerlich nicht mehr ganz passt. Dass eine Phase vielleicht einfach zu Ende geht, obwohl sie lange richtig war.

Gerade im Beruf ist das oft schwer auszuhalten. Rollen, Verantwortung und Zugehörigkeit geben Sicherheit. Umso schwieriger wird es, die eigenen inneren Signale ernst zu nehmen, wenn äußerlich noch alles funktioniert.

Nicht jede Veränderung braucht eine Krise

Doch nicht jeder Abschied braucht eine Schuldfrage.

Manche Phasen dürfen enden, obwohl sie wertvoll waren. Manche Rollen passen irgendwann nicht mehr so richtig zum eigenen Leben — auch wenn sie lange getragen haben.

Und manchmal entsteht Veränderung nicht aus Mangel, sondern einfach daraus, dass wir innerlich weitergegangen sind.

Das lässt sich nicht immer logisch erklären. Aber vielleicht müssen wir auch nicht alles sofort begründen, um es ernst nehmen zu dürfen.

Denn etwas kann richtig gewesen sein — und trotzdem vorbei.

Und manchmal beginnt genau dort nicht Verlust — sondern die Möglichkeit, wieder stärker mit dem verbunden zu sein, was sich heute wirklich stimmig anfühlt.

Herzlichst
Ihre Petra Flachsbarth
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