Wenn Grenzen nicht laut werden

 

Grenzen werden häufig erst dann ernst genommen, wenn Überlastung sichtbar wird. Wenn jemand nicht mehr kann. Wenn ein klares Nein ausgesprochen wird oder Konflikte entstehen.

Doch viele Grenzen beginnen viel früher.

Viele von uns kennen Phasen, in denen nach außen alles weiterläuft. Verantwortung wird getragen, Erwartungen werden erfüllt und Aufgaben zuverlässig übernommen. Und trotzdem gerät innerlich etwas in Bewegung.
Wir beantworten nicht mehr jede Anfrage sofort. Wir sagen seltener automatisch Ja. Oder wir bemerken ein Zögern, obwohl wir nach außen noch zustimmen.

Vielleicht kennen wir Gedanken wie diesen:
„Früher habe ich jede Anfrage sofort beantwortet. Heute merke ich manchmal, dass ich erst überlegen möchte, ob sie überhaupt meine Aufgabe ist.“

Nach außen wirkt das unspektakulär.
Tatsächlich verändert sich hier etwas Grundlegendes. Wir beginnen, uns selbst wieder wahrzunehmen.
Wir prüfen Erwartungen bewusster. Wir hinterfragen Gewohnheiten, die lange selbstverständlich waren. Und wir merken, dass Verantwortung nicht bedeutet, jede Anforderung automatisch zu erfüllen.

Genau an diesem Punkt wird es interessant.

Denn viele Menschen erleben diese Momente zunächst als Irritation. Dabei können sie ein Hinweis darauf sein, dass wir wieder stärker mit uns selbst in Kontakt kommen.
Für mich gehören solche Erfahrungen zum Dazwischen.
Zu den Phasen, in denen äußerlich vieles unverändert bleibt und sich gleichzeitig innerlich etwas neu sortiert.
Die Rolle ist noch dieselbe.
Die Aufgaben sind noch dieselben.

Aber die Beziehung zu dem, was wir tun, beginnt sich zu verändern.
Wir fragen bewusster.
Wir entscheiden bewusster.
Und wir nehmen ernster, was wir spüren.

Grenzen entstehen deshalb nicht erst in dem Moment, in dem wir Nein sagen.
Sie beginnen dort, wo wir aufhören, uns selbst zu übergehen.

Nicht laut.
Nicht dramatisch.

Aber spürbar. Und manchmal beginnt genau dort etwas Neues.

Der stille Gedanke: „So möchte ich mit mir selbst nicht mehr umgehen.“

Herzlichst
Ihre Petra Flachsbarth
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