Erst wenn das Außen langsamer wird, bemerken viele ihr inneres Tempo

 

Im Sommer verändert sich in vielen Unternehmen der Rhythmus. Termine werden verschoben, Prozesse laufen langsamer und vieles wirkt entspannter als sonst. Und trotzdem fühlen sich nicht alle automatisch ruhiger.

In meiner Coachingpraxis erlebe ich immer wieder Menschen, die gerade in ruhigeren Phasen merken, wie schwer ihnen echtes Abschalten fällt. Nach außen wird es entspannter – innerlich läuft jedoch vieles weiter. Gedanken kreisen, der innere Druck bleibt oder es entsteht plötzlich eine Unruhe, die vorher kaum spürbar war.

Gerade im dichten Arbeitsalltag fällt das oft nicht auf. Solange ständig etwas zu tun ist, wirkt das eigene Tempo normal. Erst wenn es außen ruhiger wird, merken viele, wie sehr sie innerlich auf Aktivität eingestellt sind.

Auch für Führungskräfte und Unternehmen bleibt diese Dynamik häufig unsichtbar. Denn nach außen funktionieren viele Menschen weiterhin zuverlässig, obwohl sie innerlich dauerhaft auf Anspannung eingestellt sind. Viele verantwortungsvolle Menschen haben über Jahre gelernt, mitzudenken, Verantwortung zu tragen und vieles gleichzeitig im Blick zu behalten. Dieses innere Tempo ist deshalb oft kein Ausdruck von Ehrgeiz, sondern zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Es verschwindet nicht einfach, nur weil Sommer ist oder der Kalender leerer wird.

Genau deshalb erleben manche Menschen ruhigere Zeiten nicht nur als Entlastung, sondern auch als Irritation. Plötzlich wird spürbar, wie ungewohnt echte Ruhe geworden ist. Doch genau darin kann auch etwas Wertvolles liegen.

Denn wenn es außen ruhiger wird, entsteht manchmal überhaupt erst die Möglichkeit, das eigene innere Tempo bewusst wahrzunehmen.

Was treibt mich eigentlich an?

Wann fühle ich mich wirklich ruhig?

Und wie möchte ich arbeiten und leben, wenn der äußere Druck einmal nachlässt?

Vielleicht sind genau solche ruhigeren Zeiten eine Einladung, wieder etwas genauer hinzuschauen. Nicht darauf, was als Nächstes ansteht, sondern darauf, wie sich das eigene Leben gerade anfühlt. Manchmal reicht das schon – nicht, um sofort etwas zu verändern, sondern um wieder wahrzunehmen, was längst da ist.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Ruhe.

Herzlichst Ihre Petra Flachsbarth
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