Eine Beobachtung aus meiner Coachingpraxis
Viele Übergänge beginnen nicht mit einer klaren Entscheidung. Sie beginnen auch nicht mit einem Konflikt oder einer Krise. Oft gibt es keinen äußeren Anlass, der ein Innehalten erzwingt. Nach außen läuft alles, die Rollen sind geklärt, die Verantwortung ist getragen.
Und dennoch entsteht manchmal dieser Moment, in dem etwas ins Stocken gerät.
In einem Coaching-Gespräch zeigte sich das ganz beiläufig.
Die Klientin kam mit einer gut vorbereiteten Fragestellung. Es ging um Verantwortung, um Möglichkeiten, um das, was sinnvoll erschien. Alles war durchdacht, sachlich, nachvollziehbar.
Plötzlich hält sie mitten im Gespräch, mitten im Satz inne.
Kein emotionaler Bruch.
Kein Zweifel, der sich dramatisch ankündigte.
Eher ein kurzes Stocken.
Dann sagte sie leise:
„Ich merke gerade, dass ich innerlich nicht mehr hinter dem stehe, was ich hier beschreibe.“
Das was sie sagt war für sie nicht neu. Es war ihr vertraut, hatte sie schon länger begleitet. Es enthielt keine überraschende Erkenntnis. Und doch veränderte sich in diesem Moment etwas grundlegend. Nicht, weil plötzlich eine Lösung greifbar gewesen wäre oder Klarheit entstanden wäre. Nein, weil sie sich selbst gehört hatte! Und weil sie etwas ausgesprochen hatte, ohne es sofort einzuordnen oder zu relativierten.
In solchen Momenten geht es nicht um Entscheidungen oder nächste Schritte. Es geht darum, wahrzunehmen, was da ist, und es nicht sofort zu übergehen. Viele Menschen sind sehr geübt darin, innere Regungen rasch zu erklären, zu bewerten oder beiseitezuschieben – gerade dann, wenn sie verantwortungsvoll und reflektiert handeln.
Übergänge beginnen oft genau dort, wo dieses Übergehen kurz unterbrochen wird. Wo jemand sich selbst zuhört, nicht auf der Suche nach einer Antwort, sondern um überhaupt wahrzunehmen, was gesagt werden will.
Diese Momente sind leise. Und sie wirken oft erst später. Aber sie markieren einen Punkt, an dem innere Wahrnehmung wieder Gewicht bekommt. Nicht als Aufforderung zum Handeln, sondern als Grundlage für alles Weitere.
Herzlichst Ihre Petra Flachsbarth
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