Über das vorschnelle Relativieren innerer Signale

 

Viele Menschen kommen nicht ins Coaching, weil sie nichts spüren. Sie kommen, weil sie sehr viel spüren – und diesem Spüren nicht trauen.

Oft ist es kein dramatisches Gefühl. Eher eine leise Verschiebung. Ein Gedanke, der sich nicht mehr richtig anfühlt. Ein inneres Zögern, das nicht in Worte gefasst werden kann. Nichts, was sich sofort begründen oder belegen ließe.

Und genau deshalb beginnt es zu wackeln.

Im Gespräch wird dann deutlich, wie schnell diese Wahrnehmung relativiert wird. „Vielleicht bin ich einfach zu empfindlich.“ „Andere würden damit umgehen können.“ „So schlimm ist es ja nicht.“ Das innere Signal wird nicht ernst genommen, sondern erklärt.

Diese Bewegung ist nachvollziehbar. Wir sind darauf trainiert, Argumente höher zu gewichten als Empfinden. Fakten erscheinen verlässlicher als ein Gefühl, das sich nicht sofort beweisen lässt. Doch gerade in Übergangsphasen ist es oft die Wahrnehmung, die früher weiß als der Verstand.

Der entscheidende Moment entsteht nicht dort, wo jemand eine neue Lösung findet. Sondern dort, wo er innehält und sich fragt, ob das, was er spürt, vielleicht berechtigt ist. Ohne es sofort zu dramatisieren. Aber auch ohne es klein zu reden.

Die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen, heißt nicht, impulsiv zu handeln. Es bedeutet zunächst nur, ihr Gewicht zu geben. Sie nicht weg zu erklären, nur weil sie unbequem ist.

Viele Übergänge beginnen genau hier. Nicht mit Klarheit. Nicht mit einem Plan. Sondern mit der Bereitschaft, dem eigenen Erleben zu vertrauen – auch wenn es noch keine Richtung vorgibt.

Herzlichst Ihre Petra Flachsbarth
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