Übergänge ohne äußeren Anlass: Wenn das Innere Mitgehen endet .
Manchmal hört etwas auf, ohne dass etwas passiert.
Nach außen bleibt alles gleich.
Und innerlich ist man längst nicht mehr dabei.
Nicht in einer Beziehung, sondern in einem Zusammenhang, einer Rolle, einem beruflichen Rahmen, der lange getragen hat.
Viele Menschen erwarten, dass sich ein Ende deutlich ankündigt. Dass es einen Konflikt gibt, eine Überlastung oder eine klare Grenze, die zeigt: So geht es nicht weiter. In der Praxis zeigt sich jedoch oft etwas anderes. Nach außen läuft alles. Es gibt keinen akuten Druck, keinen sichtbaren Grund, etwas infrage zu stellen.
Und trotzdem beginnt innerlich etwas zu kippen.
In dem Coaching-Gespräch ging es zunächst um Möglichkeiten. Um Optionen, die realistisch erschienen, um Wege, die man in diesem Kontext noch gehen könnte. Die Argumente waren gut sortiert, sachlich, nachvollziehbar. Nichts davon war falsch. Es gab keinen Widerstand, keine Unzufriedenheit, keine erkennbare Dringlichkeit.
Und doch entstand im Gespräch eine leise Irritation.
Nicht an einer bestimmten Stelle. Nicht bei einem bestimmten Thema. Sondern allmählich. Die Sätze wurden vollständiger, die Begründungen sauberer – und gleichzeitig verlor sich etwas. Die Argumente trugen noch, aber sie trugen nicht mehr weit.
An diesem Punkt wurde spürbar, dass nicht eine bessere Lösung fehlte. Sondern die innere Zustimmung.
Das Nein kam nicht als Gedanke. Es wurde nicht formuliert. Es stand nicht plötzlich im Raum. Es zeigte sich darin, dass das innere Mitgehen endete. Dass sich nichts mehr anschloss. Kein inneres Ja, kein Weiterdenken, kein Impuls, die Möglichkeiten wirklich zu wollen.
Dieses Nein war keine Entscheidung.
Und auch kein Abbruch.
Eher ein stilles Zurücktreten. Etwas, das lange getragen hatte, hörte auf, sich innerlich fortzusetzen.
Solche Momente sind schwer auszuhalten, weil sie nichts anbieten. Sie liefern keine Richtung, keine Alternative und keinen nächsten Schritt. Sie lassen eine Lücke entstehen – und genau diese Lücke wird oft schnell geschlossen. Mit Aktivität, mit neuen Erklärungen, mit weiterem Funktionieren.
Doch in diesem leisen Nein liegt häufig bereits ein Abschluss. Nicht als äußerer Schritt, sondern als innerer. Ein beruflicher Zusammenhang kann innerlich zu Ende sein, auch wenn er nach außen noch besteht.
Wer diesen Moment ernst nimmt, ohne ihn sofort zu übersetzen oder zu übergehen, bleibt bei einer Erfahrung, die keine Handlung fordert – sondern Wahrnehmung.
Übergänge ohne äußeren Anlass beginnen oft genau hier. Dort, wo das innere Mitgehen endet. Nicht laut, nicht eindeutig, aber spürbar. Und manchmal ist genau dieses stille Nein die präziseste Form von Klarheit, die es in diesem Moment geben kann.
Herzlichst Ihre Petra Flachsbarth
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